Ironman Frankfurt: Rennbericht der #809
Posted by SebastianJul 25
Der “Längste Tag des Jahres” dauerte in diesem Jahr bei der Jubiläumsausgabe des Ironman Frankfurt für mich genau 11:14:55 und somit knapp 12 Minuten schneller als im vergangenen Jahr. Damals war die Radstrecke allerdings aufgrund einer Baustelle 5 km länger.Der Wettkampf begann in einem frischen aber erträglichen Langener Waldsee, der mit 20 Grad Wassertemperatur genau 9 Grad wärmer war als die Luft zu diesem Zeitpunkt. Der Himmel war zunächst aufgelockert, der Wind und die Wellen auf dem See aber deutlich spürbar. Gefühlt wollte das Schwimmen an diesem Tag kein Ende nehmen, doch die Musik und die Stimme des Sprechers kam dann doch näher. In der Wechselzone angekommen, wollte ich schnellstmöglich aufs Rad und verzichtete auf meine Armlinge. Dies sollte sich noch als großer Fehler herausstellen.
Bereits auf den ersten Kilometern nach Frankfurt hinein begann es zu regnen, der Wind war frisch und das Thermometer zeigte 12 Grad. Die erste Herausforderung war dann das Kopfsteinpflaster in Maintal-Hochstadt. Dort spürte ich meine kalten Finger und konnte kaum noch den Lenker festhalten. In der kurzen Abfahrt stürzte dann direkt vor mir ein Athlet, um den ich glücklicherweise noch herumfahren konnte. Die nächste Herausforderung war dann das nachfüllen der Lenkerflasche: es war mir kaum möglich, die Trinkflasche zusammen zu drücken.
Nach knapp 75 km vernahm ich ein ungutes Geräusch aus der Vorderradgegend. Bei jeder Umdrehung kam mir ein Zischen entgegen. Als sich dann noch ein schwammiges Gefühl im Vorderrad einstellte, blieb mir nichts anderes übrig als anzuhalten um dann festzustellen: ein Plattfuß! Auf diesem Streckenabschnitt standen viele Athleten und waren am wechseln, sogar die vorbeifahrenden Wettkampfrichter wunderten sich schon.
Da meine Laufräder mit Schlauchreifen bestückt sind, musste ich diesen komplett wechseln. Nur das war leichter gesagt als getan. Zunächst holte ich meinen Ersatzschlauchreifen heraus und begann dann, den alten sehr gut verklebten Schlauchreifen zu lösen. Dies gelang mir nach einiger Zeit auch. Nur dann kamen die Kleinigkeiten, die mit kalten Fingern gar nicht gingen. Aufgrund der Höhe meines Vorderrades brauche ich eine Ventilverlängerung, die ich vom kaputten Schlauch abnehmen musste und in den neuen hineinschrauben wollte. Alle diese Dinge gehen fast gar nicht mit kalten Finger. Auch das aufziehen des neuen Reifens ging nur sehr schwer, da war das abschließende pumpen fast eine Erholung. Mehr als 5 Bar sind es aber sicher nicht geworden. Somit hatte ich also zum einen etwas wenig Luft im Reifen und zum anderen einen nicht wirklich verklebten Schlauchreifen auf dem Vorderrad und noch gut 105 km zu fahren. Nicht die besten Voraussetzung, aber man macht einen Ironman schließlich um ins Ziel zu kommen!
Ich verlor bei der gesamten Wechselaktion nicht nur reichlich Zeit, sondern auch meinen Magneten aus dem Vorderrad und fuhr so im völligen Blindflug die letzten 100 km. Bis zu diesem Zeitpunkt zeigte mein Tacho eine Durchschnittstemperatur von 12 Grad an.
Die zweite Passage des “Hühnerbergs” tat bereits richtig weh, und auch der starke Wind auf den letzten Kilometern hätte nicht wirklich sein müssen. Doch all das ist vergessen, wenn man zum letzten mal mit dem Rad zum Mainkai abbiegt und die Wechselzone sieht. Runter vom Rad, Beutel geschnappt und nen kleinen Plausch mit der Helferin im Wechselzelt gehalten. Mein Ziel für den Marathon war es, ohne viel gehen den Marathon zu absolvieren. Das habe ich erreicht! Die erste Runde lief sehr gut und auch in der zweiten fühlte ich mich gut und lief so da etwa 10 Minuten große Loch auf meinen Bruder zu. Wir liefen vielleicht zwei Kilometer zusammen bis ich ihn wieder ziehen lassen musste. In der vierten und somit letzten Runde habe ich mich noch aufgerafft und die 4-Stunden-Marke für den Marathon leider doch verpasst. Aber immerhin: es war mein schnellster Marathon bisher!
Ich möchte mich bei allen Freunden und Bekannten bedanken, die an diesem Tag den Wettkampf, egal ob live oder online mitverfolgt und die Daumen gedrückt haben. Vielen Dank!
Hier gibt es meine Zeiten nochmal im Überblick: ironmanlive.com Tracking

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